{"id":1135,"date":"2022-02-25T20:26:00","date_gmt":"2022-02-25T20:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/?p=1135"},"modified":"2022-03-01T20:27:37","modified_gmt":"2022-03-01T20:27:37","slug":"litauen-geraet-in-eine-russische-zange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/?p=1135","title":{"rendered":"LITAUEN GER\u00c4T IN EINE RUSSISCHE ZANGE"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Aus NZZ 28.02.2022 \/ Rudolf Hermann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend alle Augen auf die am Donnerstag angelaufene russische Invasion der Ukraine gerichtet sind, ist durch die massive Milit\u00e4rpr\u00e4senz Russlands in der osteurop\u00e4ischen Region die Lage auch f\u00fcr den baltischen Nato-Staat Litauen ungem\u00fctlicher geworden. Denn im Rahmen des Aufmarsches hat der Kreml rund 30 000 Soldaten nach Weissrussland und damit in unmittelbare N\u00e4he von Litauen gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kr\u00e4fte h\u00e4tten zwar gem\u00e4ss dem urspr\u00fcnglich von Moskau verbreiteten Szenario nach einem gemeinsamen Man\u00f6ver mit weissrussischen Truppen wieder abgezogen werden sollen. Doch der weissrussische Autokrat Lukaschenko erkl\u00e4rte nach der Milit\u00e4r\u00fcbung, die \u00abanhaltend unruhige Situation im Donbass\u00bb mache es n\u00f6tig, die russischen Soldaten im Land zu behalten. Sie w\u00fcrden \u00abauf unbestimmte Zeit\u00bb stationiert bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>G\u00e4nzlich von Moskau abh\u00e4ngig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Litauische Kommentatoren sehen das als Anfang einer \u00abschleichenden Okkupation\u00bb Weissrusslands durch Moskau. Es werde der Kreml sein, der entscheide, wie lange die Truppen \u2013 die gr\u00f6sste russische Streitmacht in Weissrussland seit Ende des Kalten Krieges \u2013 im Nachbarland blieben. Lukaschenko versuche sich krampfhaft an der Macht zu halten und verkaufe daf\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit seines Landes. Diese sei wohl bald schon vollst\u00e4ndig verscherbelt, befindet Vytis Jurkonis, ein Politologe der Universit\u00e4t Vilnius. Gintautas Mazeikis, Professor an der Universit\u00e4t Kaunas, \u00e4ussert sich \u00e4hnlich. Weissrussland sei inzwischen von Russland vollkommen abh\u00e4ngig: wirtschaftlich, finanziell, energetisch, politisch und milit\u00e4risch. Im Prinzip handle es sich jetzt nur noch um eine russische Provinz.<\/p>\n\n\n\n<p>Der litauische Aussenminister Gabrielius Landsbergis sagte vor einigen Tagen, er sehe in den russischen Truppen auf weissrussischem Boden eine Bedrohung sowohl f\u00fcr die Ukraine als auch f\u00fcr sein Land. Die Einheiten seien in st\u00e4ndiger Bewegung, und es sei wohl kein Zufall, dass sich ein Teil in der N\u00e4he der litauischen Grenze aufhalte. Das sei offensichtlich auch ein Signal an die Nato.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der starken russischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz in Weissrussland hat sich f\u00fcr Litauen die strategische Lage markant ge\u00e4ndert. Fr\u00fcher hatte Lukaschenkos Bestreben, Russland und den Westen gegeneinander auszuspielen, Weissrussland zu einem Puffer gegen\u00fcber Moskau gemacht. Der Minsker Autokrat versuchte, den Kreml so gut als m\u00f6glich auf Distanz zu halten, um es sich mit der EU nicht ganz zu verderben. Doch seit den gef\u00e4lschten Pr\u00e4sidentenwahlen von 2020 und der dreisten Entf\u00fchrung eines Ryanair-Flugs im letzten Jahr, um des regimekritischen Bloggers Protasewitsch habhaft zu werden, ist Lukaschenko auf Konfrontationskurs mit dem Westen. Er kann seine Macht nur noch mit Putins Hilfe sichern. Die Bedingungen daf\u00fcr diktiert nun Moskau, und die Truppenpr\u00e4senz d\u00fcrfte eine von ihnen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sieht sich Litauen pl\u00f6tzlich auf zwei Seiten einer russischen Bedrohung gegen\u00fcber: sowohl aus Weissrussland als auch aus der hochger\u00fcsteten russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Verletzlich wird dadurch insbesondere die sogenannte Suwalki-L\u00fccke, der rund 90 Kilometer lange gemeinsame Grenzabschnitt mit Polen, der Weissrussland vom russischen Kaliningrad trennt. W\u00fcrde hier ein russischer Keil hineingetrieben, w\u00fcrde das die drei baltischen Nato-Staaten Litauen, Lettland und Estland vom \u00fcbrigen Gebiet des Nordatlantikpakts abschneiden und ihre Verteidigung noch schwieriger machen, als sie sich ohnehin schon pr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Moskau hat dank seiner Truppenpr\u00e4senz in Weissrussland und den starken Kr\u00e4ften in Kaliningrad laut Giedrius Cesnakas von der litauischen Milit\u00e4rakademie einen strategischen Vorteil erreicht. Ob das allein f\u00fcr Putin schon Grund genug ist, \u00fcber ein \u00abbaltisches Abenteuer\u00bb nachzudenken, ist dem litauischen Kommentator aber nicht a priori klar. Es h\u00e4nge wohl erstens davon ab, wie entschieden sich der Westen Russland im Krieg gegen die Ukraine entgegenstelle. Und zweitens sei die Gefahr einer Eskalation bei einer Milit\u00e4raktion gegen das Nato-Land Litauen deutlich gr\u00f6sser, da sie zu einem B\u00fcndnisfall f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doppeltes Signal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die multinationalen Kampfgruppen von insgesamt je tausend Mann, die die Nato bereits in den drei baltischen L\u00e4ndern sowie Polen stationiert hat, k\u00f6nnen Russland rein zahlenm\u00e4ssig wenig entgegensetzen. Das \u00e4ndert sich auch nicht grunds\u00e4tzlich, nachdem Pr\u00e4sident Biden angek\u00fcndigt hat, die Pr\u00e4senz in der Region mit weiteren Soldaten sowie modernen Kampfflugzeugen und Helikoptern zu st\u00e4rken. Die sogenannten Enhanced Forward Presence Battlegroups senden eher ein doppeltes Signal aus: an die baltischen L\u00e4nder, dass die Nato bereit ist, das gesamte B\u00fcndnisgebiet zu verteidigen. Und an einen potenziellen Angreifer, dass jede Attacke einen Angriff auf die ganze Allianz darstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus NZZ 28.02.2022 \/ Rudolf Hermann W\u00e4hrend alle Augen auf die am Donnerstag angelaufene russische Invasion der Ukraine gerichtet sind,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1136,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"pgc_sgb_lightbox_settings":"","_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":"","footnotes":""},"categories":[28,40],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1135"}],"collection":[{"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1135"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1137,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1135\/revisions\/1137"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wp.swiss-baltic.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}